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Was ist die „Integrierte Versorgung Gesundes Kinzigtal“?

Integrierte Versorgung Gesundes KinzigtalSeit Ende 2005 besteht im südbadischen Kinzigtal ein sog. integriertes Gesundheitsversorgungssystem. Hier steuert die Managementgesellschaft Gesundes Kinzigtal GmbH, an der das regionale Ärztenetz maßgeblich beteiligt ist, die Versorgung. Dabei kooperiert die Managementgesellschaft eng mit der AOK Baden-Württemberg und der LKK Baden-Württemberg. Beide Kassen haben mit der Managementgesellschaft Versorgungsverträge abgeschlossen, die bis ins Jahr 2015 laufen.

In einem „integrierten“ Versorgungssystem wird versucht, die Kooperation verschiedener Leistungserbringer im Gesundheitswesen auch über Berufs- und Sektorengrenzen hinweg systematisch zu optimieren. Typischerweise soll die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Fachärzten, zwischen Ärzten und Vertretern anderer Berufsgruppen (z.B. Physiotherapeuten, Apothekern, Psychotherapeuten) sowie zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen optimiert werden.

Dies soll zum einen in einer engeren, weil besser abgestimmten Zusammenarbeit münden und damit zu einer qualitativ besseren Versorgung führen; zum anderen sollen damit auch die üblichen Schnittstellenprobleme und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Ineffizienzen des traditionellen Versorgungssystems überwunden werden.

Zu diesem Zweck werden in der Regel auch die üblichen, auf Wahrung der Sektorengrenzen bedachten Finanzierungs- und Vergütungsformen umgestaltet.

Warum gibt es eine wissenschaftliche Begleitforschung (Evaluation) zur Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal?

Werden neue Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt, ist die praktische Verwertbarkeit solcher Erkenntnisse nicht in allen wichtigen Aspekten vorhersehbar. Das gilt vor allem, wenn neue Erkenntnisse im Rahmen von komplexen Systemen – wie z.B. Gesundheitsversorgungssystemen – umgesetzt werden. In solchen Fällen sind Evaluationen angebracht, d.h. wissenschaftliche Bewertungen dieser neuen Praktiken.

Dann wird erforscht, ob und in welchem Maße sich die Ziele überhaupt verwirklichen lassen, welche die Projektbetreiber mit ihren Innovationen anstreben; oft zeigt sich nämlich, dass die Ziele nur teilweise realisierbar sind oder dass ungeplante (häufig auch unerwünschte) Konsequenzen auftreten. Wenn bei all dem viele verschiedene Daten gleichzeitig berücksichtigt werden müssen und komplexe Datenauswertungen anstehen, ist es sinnvoll, die Aufgabe der Evaluation einer professionellen, vom Projektbetreiber unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtung zu übertragen.

Im Fall der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal haben Projektbetreiber und Vertragspartner für die Evaluation ein Budget zur Verfügung gestellt, das die Finanzierung anspruchsvoller, weit reichender Evaluationsprojekte erlaubt.

Wer koordiniert die Evaluation? Wer führt sie durch?

Die Evaluation wird durch eine eigens dafür eingerichtete Stelle koordiniert, die „Evaluations-Koordinierungsstelle Integrierte Versorgung Gesundes Kinzigtal“ (EKIV). Diese Stelle wurde an der Abteilung für Medizinische Soziologie der Universität Freiburg eingerichtet (Projektleiter: Dr. Ulrich Stößel, Koordinator: Dr. Achim Siegel).

Aufgabe der Evaluations-Koordinierungsstelle ist es zunächst, die der Evaluation zu Grunde liegenden Fragen in Form einzelner Projekte („Evaluationsmodule“) auszuschreiben. Sodann werden fachlich ausgewiesene Forschergruppen mit der Projektbearbeitung beauftragt. Sind die Projekte an einzelne Forschergruppen vergeben, sorgt die Evaluations-Koordinierungsstelle für den methodischen und fachlichen Austausch der einzelnen Forschergruppen und versucht, zu Synergieeffekten beizutragen.

Kontakt zur EKIV nehmen Sie hier auf.

Welche Fragen sollen durch die Evaluation geklärt werden?

Durch die Evaluation sollen unter anderem folgende Fragen geklärt werden:

  1. Inwieweit trägt eine solche Versorgungsform dazu bei, die Patienten stärker als bisher zu aktivieren? Inwieweit gelingt es, Patienten stärker an therapeutischen Entscheidungen zu beteiligen, die die Prävention und Heilung ihrer Krankheiten bezwecken?
  2. Entwickelt sich die Gesundheit der Patienten unter der neuen Versorgungsform günstiger als in anderen Regionen Baden-Württembergs, in denen herkömmliche Versorgungsformen vorherrschen?
  3. Wie zufrieden bzw. unzufrieden sind die Ärzte und andere Leistungserbringer mit der neuen Versorgungsform?
  4. Entwickelt sich im Rahmen der integrierten Versorgungsform eine intensivere fachliche Kooperation der verschiedenen Gesundheitsberufe?
  5. Ist die neue Versorgungsform wirtschaftlicher als die bisherige Versorgungsform, und wenn ja, ist sie wirtschaftlicher, ohne dass dies auf Kosten der Versorgungsqualität und der Zufriedenheit der Patienten/Versicherten geht?
  6. Trägt die neue Versorgungsform zu Qualitätssteigerungen in allen Versorgungssektoren gleichermaßen bei oder nur in einzelnen wenigen Bereichen? Begünstigt sie eine Überwindung sektoraler Grenzen/Abschottungen wie etwa zwischen dem ambulanten und dem stationären Versorgungssektor?
  7. Trägt die neue Versorgungsform dazu bei, Zustände der Überversorgung, Fehlversorgung und Unterversorgung abzubauen – Zustände, die nach Expertenmeinung im Rahmen des herkömmlichen Versorgungssystems in weiten Bereichen vorkommen?

Welche Einzelprojekte wurden bisher ausgeschrieben?

Bisher wurden drei Evaluationsmodule ausgeschrieben und an fachliche ausgewiesene Projektnehmer vergeben. Welche Fragestellungen in diesen Projekten bearbeitet werden und von wem die Projekte bearbeitet werden, erfahren Sie hier.

Ist die Integrierte Versorgung im Kinzigtal für die allgemeine Gesundheitspolitik in Deutschland von Bedeutung?

Die Fragen, die durch die Evaluation des integrierten Versorgungssystems im Kinzigtal zu klären sind, bewegen die gesundheitspolitische und gesundheitsökonomische Diskussion in Deutschland allgemein – das zeigen nicht zuletzt die ständigen Reformen und Reformversuche im deutschen Gesundheitswesen. Sollte die wissenschaftliche Begleitung der Integrierten Versorgung im Kinzigtal hier eine Verbesserung des Versorgungssystems nachweisen – bei geringeren oder gleich hohen Kosten im Vergleich zur Normalversorgung –, könnte das System „Gesundes Kinzigtal“ durchaus Vorbildcharakter für viele ähnliche Regionen in Deutschland erlangen.

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